Archiv für Dezember 2005

Irrtum

Sechseinhalb Milliarden
Auf den Knochenäckern
Liegen bald weniger
Der Tod ist ein Irrtum

Vor zehn Jahren endete für Heiner Müller das Hiersein.

30. Dez 05

Korova Milchbar

Der Treffpunkt
bis zum letzten Platz besetzt von einer etwas anderen Zielgruppe. Hätte ich wissen können und verwerfe diesen Gedanken zugleich. Wir suchen Alternativen. Ein paar Schaufenster nachfolgend ein weiteres Café. Mit Akustik. Deckenhoher Steinfußboden. Nicht gerade die Korova Milchbar. Denke ich. Die Hälfte der Tische sieht sich belagert von Menschen mit Tüten. Großen Tüten. Aus Plastik.
Wie auch Tisch und Stuhl.
Chchchchchrrrrrr. Chchchchchrrrrrr. Stahlbeine. Dass wir bleiben ist wohl dem Klos im Bauch zu danken, dessen Gewicht uns nötigt, nicht zu lange stehend oder gehend zu verharren. Der Kellner übersieht uns. Wiederholt. Müssen wir uns Plastiktaschen besorgen?
Die Blicke irren.
Überraschend viele hasten hinter uns vorbei mit rahmenähnlichen Verpackungen unter müden Achseln. Es operiert ein Postershop erfolgreich im Verborgenen.
Die Körpersprache
des Kellners klingt auch aus der Nähe verwaschen. Seine Augen äußern sich anders als sein Mund. Wir bestellen trotz dem.
Auftréten andere Männer
als Kellner oder auch nicht. Einem debilen Jungen wird die Kappe weggenommen und er spielt der Not gehorchend die Hauptrolle in „Einer in der Mitte“. Zur Auswahl und Lautstärke der Beschallung sind alle verpflichtet. Dauernd. Der Bauch drängt zu Entscheidungen.
Ein Polizist
kennt keinen Schmerz und nimmt seinen Cappuccino an der Theke. Aus seiner Uniformbrust kommt Chchchchchrrrrrr. Chchchchchrrrrrr. Ich wundere mich, daß es noch Funkgeräte gibt. Mit ohne Rauschsperre. Im Verein mit der Espressomaschine ein Potpurri aus der Oper „Die Lungenheilanstalt“. Neutöner. Denke ich. In einem Anflug von Basishumor. Gedämpft nehmen wir unser Bestelltes zu uns.
Von der Hälfte
der Tische mit Tüteninhabern geht je eine Person mindestens einmal hinter die Theke. Geschätzt. Trotzdem gibt es kein Gedränge. Warscheinlich sind die Hinterzimmer sehr sehr viel größer. Denke ich. Muß auch. Bei der Familie.
Gerade noch rechtzeitig
sehen wir zu uns herüber und retten so die Stunde und später auch den Tag.
14. Dez 05

Rauhfaser

 

FOTOTAPETENRESTE
DURCH RAUHFASER SCHEINEND
DIE HERZWAND

 

8. Dez 05

Hagenbuch lebt…so Kastner

Heute nacht ist Hanns Dieter Hüsch gestorben.
Er fehlte mir schon, als er noch da war. 

 

6. Dez 05

Weihnachtsmarkt´

4. Dez 05

Dummes Zeug

Kant behauptet, „alles, was geschieht (anhebt zu sein), setzt etwas voraus, worauf es nach einer Regel folgt“.
Aristoteles hatte zuvor leider nicht den Mut, die erste aller Ursachen, die causa prima, einem einzigen Gott zuzuordnen. Das blieb der Scholastik zu tun und dem heiligen Thomas aus dem unendlichen Nachlaß des Frühgenies.
Warum aber hatte danach der Königsberger Xenophobiker nicht seine guten Ansätze zur reinen Vernunft weitergedacht? Wenn es ihm schon so schwer fiel, einen vernünftigen Gottesbeweis herbeizuführen, warum hat er nicht einfach die Kausalität gekrümmt?
Einstein hatte es mit Raum und Zeit eindeutig schwerer. Er mußte per Masse den Raumdeformieren um ein Ende und Anfang zu vermeiden. Genauso hätte es Kant machen können: Ereignisse sind als Ursachen schwer und krümmen die Kausalität lokal (zeitlich). Bei genügend großer kausaler Masse könnte die Krümmung inhärent sein, mithin im Endlichen unendlich, wie die Kugel die Unendlichkeit von zwei Dimensionen repräsentiert. Die erste Ursache ist gleichzeitig die letzte, egal aus welcher Richtung man schaut und Schluß ist mit Gott als Anschieber von Ursache und Wirkung.

Eckkehard lebt in Bottrop
und entlarfvt zur Zeit die bolivianische Krise
Christopher lebt in Kassel
und entlarfvt zur Zeit die Analyse dieser Krise
Guntram lebt in Lübeck
und entlarfvt zur Zeit die Krise dieser Analyse
Und ich mach dummes Zeug. 

H.D.Hüsch, 1973

1. Dez 05

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