Archiv für Januar 2006

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zu sternenwolken
zerbersten stumm saphire
in augenwinkeln

31. Jan 06

Temporary Discomfort

 

Ausgewählte Per(l)mut(ter)ation

Woher soll ich lesen was ich denke bevor ich schreibe was ich weiß
Woher soll ich lesen was ich denke bevor ich weiß was ich schreibe

Woher soll ich schreiben was ich weiß bevor ich lese was ich denke
Woher soll ich schreiben was ich denke bevor ich weiß was ich lese

Woher soll ich denken was ich schreibe bevor ich lese was ich weiß
Woher soll ich denken was ich weiß bevor ich lese was ich schreibe
Woher soll ich wissen was ich lese bevor ich denke was ich schreibe

Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich lese was ich schreibe?

29. Jan 06

Soziale Kompetenz

und Deine schartige kappe tief in die gedrückt Du und die langen und blonden heraus strähnen herausschauen wundervolle nase und das spaltige kinn vorgereckt als wolltest Du gleich   und verkniffen der purpurne schmoll und voll hohn? und voll verachtung? und jetzt das ganze gesicht wie hinter einer sämigen milchglasbutze du und du wächst mit den gestreckten langstieligen kralligen händen zielend nach rechts ins tal? und bräunlicher hauch entlassen heraus und windet zum und umkreischt die schwarzigen seher mit den graugrauen pupillen kalt und eine weiße brust bloß und Du wächst und wächst und die hohen knarzigen gestiefel mit den goldgoldenen  schschschnallen hoch über mir wolken um Deine schattige gewalt und dein kleiner achchchch unscheinbarer pfeil mit dem federchen mit den  buntfederchen in meiner wehen  flanke nicht zu fassen und das  krümmt und das schmerzt so und alles ist so grau  wie eben nicht und  alles so so   fleckig und alles so  so so   tief und der staub in meiner  meiner nase  und ich    will   ich  will   nicht   so   nicht    so   nicht      so      tief       so schwarz          Du            mit            Deinem                betäubungsgewehr             Du

25. Jan 06

Nichts zu sehen, viel zu denken

Sommer ’77: documenta 6:
Ich: Transportarbeiter
mit sogenannt humanistischer, dennoch unerzwungen bildungsferner Schulbildung aus ebenfalls unerzwungen bildungsfernem Elternhaus.
Zuspät-68er:
„gesunde Wut“ gegenüber der rheinischen Republik aber auch als Oberbegriff einer Kunstrezeption: Alles >> Schnellstens >> Anders.
Im Kasseler Betrieb, dem ich meine Arbeitskraft entgeltlich zur Verfügung stelle, werden Richard Serras Corstahl-Platten für „Terminal“ gearbeitet. Beschäftigte im Werk Rothenditmold schweißbrennern sich zu einem ganz eigenen Kunstbegriff, während sie beim Frühstück noch BILDer fressen und sich fachmännisch ereifern, daß das Zeug nicht lackiert, und somit fahrlässigerweise dem Rost preisgegeben wird. Hingegen ist für sie de Marias „Erdkilometer“ keine Kunst. Vice versa, so vermutete ich, wird es bei den Mitarbeitern jener Bohrfirma sein, die „Das Loch“ in monatelanger Arbeit in den Gneis treiben. Gemeisamer kleinster Nenner sind „Die Kosten“ und ihr Äquivalent in Gespeiste in Bangla Desh. Vorauseilende Lektüre der Lokalpresse: es wird das Wort „entartet“ kunstvoll umgangen. Kontroversen um Nam June Paik, Richard Serra, Tausend-Meter-Loch de Marias, Hängung der DDR-Maler.

Eine esoterische Schlange windet sich durch Ebenen und Räume des Fridericianums.
Als Einwohner von Rock City (die Existenzialisten und Hesse fröhlich überspringend – in einem Satz zu Kerouac-Beckett-Arno Schmidt: es ist nicht unbedingt folgerichtig, Beuys‘ Honigpumpe als Hauptwerk der d6 zu betrachten; Esoterik, Metaphysik, Versöhnung von Natur und Kultur (-Technik): Dinge, die nicht meinem Paradigma angehören. Das Un-Ironische ist unmodern und rückwärtsweisend, eine Utopie gegen die herrschenden Dystopien. Eine Metaphysik, die im Kontrast zum Zeitgeist über Erkenntnisgewinnung dreist hinausgeht.
Beuys, den ich bislang nur als brachialen Brecher von Kunsttabus wahrnehme: plötzlich Mensch. Schock.

Sommer ’82: a.a.O.: Nichts zu sehen, nichts zu denken
Nach wenig amüsantem Besuch der d7. Ich sitze mit einer Vertrauten in einem Café an der Unteren Karlstrasse. Klaus Staeck im Jackett am Nebentisch. Beuys duckelt herein: Weste/Hut/abgewetzter Aktentasche.
Hier:
schwammeliger Nahostakzent: gebürtigen Dresdners, vogelig, kropfig aufgereckt mit dem Selbstbewußtsein der prozessualen Fremderfahrung – vielfeindvielehr – laut, präsent, agitil, unbekümmert: ein altes Kind der jungen Achziger.
Dort: leise, viel zu hohe Rauhstimme, lächerlicher Niederrheinakzent, klein, biegsam, halslos.
Und doch: den Raum füllt seine Präsenz.
Obwohl:
Sein Beitrag zur d7 ist ganz und gar unartifiziell: Geldeintreiben für ein paar Tausend Eichensetzlinge. Wiederum ganz und gar unironisch. Siebentausend Basaltblöcke nehmen die Bewohner der Stadt in Geiselhaft.
Immer noch wenig vertraut mit Ikonographie und zeitkonformer Rezeption „moderner“ Kunst empfinde ich Beuys‘ Werk als wahr. Vor den Kaspereien Keith Harings, vor Jenny Holzers lyrischen Stickereien. Vor der verstörenden Sepia-Pracht der Becherschen Industriefotographie.
Ich verstehe plötzlich.

23. Jan 06

Hypertonie

150/90
:kraft läuft aus den beinen
:gasse fällt dem fuss entgegen
:jetzt fersen sorgsam setzen
:block aus schmerz da unten
:schlange windet sich am mark
:kein stützwerk für die hand
:nacken wütend klammert
:wer kommt nach dem fall?
160/95

180/105
Lautlos wischt etwas
knapp rechts an deinem haar vorbei
du ein schemen nur

20. Jan 06

Gesundheit

 

Plötzlich bleibe ich stehen mitten in einem Park Kopf im Nacken wie einst Murphy meine Augen saugen den Himmel an alles fließt durch die zwei Löcher in mich hinein in irrsinniger Geschwindigkeit inclusive einiger Fichtenwipfel ich glaube ich zwinkere nicht einmal die Augen werden trocken dazu kreischt es in mir wie eintausend Fingernägel auf einhundert Schiefertafeln ich schreie nach innen schreie zurück mit weitoffenem Mund gehörlos unhörbar bestimmt an die … Minuten stehe ich so drehe mich dann um und gehe denselben Weg zurück und fühle mich gesund dabei.

 

 

17. Jan 06

Irrtum 2.0 – revisted

 

ENTGEISTERT

{via isabo}

 

16. Jan 06

Mitgefühl

backstage
Plié
Biegbeinig definiert
Kaugummi füllt schmale Münder
Schminkige Augen langweilen
Tonkytonk Klavier

Relevé
Pluderzeug Strickstulpe
eine Trainingsjacke
mit Aufdruck
Deutsc hland

Auditorium
à la seconde

Rolltreppenähnliches
wird im Knappdunkel geschoben.
Ah – Rolltreppen – ein Kaufhaus!

Frappé
Ein Herr holt sich
die hohle Hand ans Ohr.
Macht mächtig Karpfenmaul
Ah – telefonieren – Handy!

Grand Battement
Polizistenähnliche Statisten
stöckeln in Polizeiröcken
Ah – Polizisten – Zugriff!

€quilibre
Einsame Klarinette
Aus dem Graben kommt
das Restholz aus dem Harmonium.
Ah – Subventionskürzungen!

Sauté
Der Nussknacker 2006
Augenzwinkernder Humor
sagt die Zeitung

Aplomb
Vom Auge
bildlich billig bunt bedient
Stabgereimte Farbe
Hirn und Ohr verlassen
an der Garderobe.

Notabene: für die Heimfahrt waren
wieder alle Fünf Sinne Dreispurig gefragt.

 

16. Jan 06

Niedagewesen

Inmitten des subästhetischen Ambientes eines kleinstädtischen Italieners knipst mein Gastgeber das Kopfkino an, fasst mich am inneren Händchen und leitet den Niedagewesenen durch winterliche Boulevards links und rechts der Seine.

Eine der ersten Stationen – anglophiler Tempel in frankophiler Diaspora
Shakespeare & Company im Quartier Latin.
Während sie schon bergab weiterhastet sehe ich mich in einer Upkamer liegend bei Earl Grey und Gebäck hinuntersehen auf Tausend Alte Buchrücken.
Links: das muß Joyce sein, T.S. Eliot und Sam Beckett, rechts davon Henry Miller, Änais Nin und vielleicht Burroughs oder gar Jack Kerouac im Streitgespräch über den Roman der Moderne – hier die Permutation von Begriffen, Wörtern, Lauten, da jene von Gefühlen und Bewußtseinszuständen.
Aus dem Trichter eines versteckten Grammophons tropft 5ème Gnossienne – Modéré von Eric Satie, oder ist es Claire De Lune von Debussy?

Nur mühsam mich loseisend folge ich einer tour de force hinunter zum Pont Neuf, hinüber zum Eiffelturm und hinauf auf den Triumpfbogen. In Notre Dame hocke ich plötzlich in einer Neujahrsmesse zwischen Massen, in St. Germain zwischen Galerieschaulustigen.
Der Raum zwischen den Luftschlössern
– bald aufgefüllt mit der Melange aus Liebe Wut Erschöpfung.
In Sepia gehaucht von lieber bei Espresso und Leitungswasser Verharrrrenden
– an der doch die Bewohner dieser Wunderwelten vorbeiziehen sollten wie auf einem Förderband, grüßend, lächelnd und mitunter abspringend.

Sich Nicht Umfassend

Über einen wintertiefen Strom hinweg
Berühren sich
Geschwisterliche Fingerkuppen

9. Jan 06

Detlev Quandt

 

 

 

Wenn Artefakte
Sich Selber Rückstandslos
Beseitigen

hier
und hier
und hier

6. Jan 06

Wissensgesellschaft

„Wenn man den Überblick noch hat,
fährt man noch nicht schnell genug.“

Christoph Schliengensief zitiert von Harry Nutt

Satz der Woche mit aufsteigender Tendenz zum Satz des Monats…Jahres…

5. Jan 06

winterswap

Danke, Herr Jochen
4. Jan 06

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