Niedagewesen

Inmitten des subästhetischen Ambientes eines kleinstädtischen Italieners knipst mein Gastgeber das Kopfkino an, fasst mich am inneren Händchen und leitet den Niedagewesenen durch winterliche Boulevards links und rechts der Seine.

Eine der ersten Stationen – anglophiler Tempel in frankophiler Diaspora
Shakespeare & Company im Quartier Latin.
Während sie schon bergab weiterhastet sehe ich mich in einer Upkamer liegend bei Earl Grey und Gebäck hinuntersehen auf Tausend Alte Buchrücken.
Links: das muß Joyce sein, T.S. Eliot und Sam Beckett, rechts davon Henry Miller, Änais Nin und vielleicht Burroughs oder gar Jack Kerouac im Streitgespräch über den Roman der Moderne – hier die Permutation von Begriffen, Wörtern, Lauten, da jene von Gefühlen und Bewußtseinszuständen.
Aus dem Trichter eines versteckten Grammophons tropft 5ème Gnossienne – Modéré von Eric Satie, oder ist es Claire De Lune von Debussy?

Nur mühsam mich loseisend folge ich einer tour de force hinunter zum Pont Neuf, hinüber zum Eiffelturm und hinauf auf den Triumpfbogen. In Notre Dame hocke ich plötzlich in einer Neujahrsmesse zwischen Massen, in St. Germain zwischen Galerieschaulustigen.
Der Raum zwischen den Luftschlössern
– bald aufgefüllt mit der Melange aus Liebe Wut Erschöpfung.
In Sepia gehaucht von lieber bei Espresso und Leitungswasser Verharrrrenden
– an der doch die Bewohner dieser Wunderwelten vorbeiziehen sollten wie auf einem Förderband, grüßend, lächelnd und mitunter abspringend.

Sich Nicht Umfassend

Über einen wintertiefen Strom hinweg
Berühren sich
Geschwisterliche Fingerkuppen

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